Kritiken

„Actual“ heißt das neue Album der Belgier IONIC VISION, die sich schon seit jeher der Old School-EBM verschrieben haben und irgendwie paßt dieser Titel wie die Faust auf´s Auge, da es sich um ein zeitgemäßes und gegenwärtiges Machwerk handelt. Es gibt erstmals nicht nur volle Möhre auf die Fresse, sondern man fand einen Mittelweg, auch seichtere Strukturen einzubeziehen. Wobei dem OS vollkommen abgewandten Musikinteressierten wohl ein erschwerter Zugang bereitet wird. Will sagen, es ist durchaus vielfältiger geworden, allerdings wandelt man auf der richtigen Seite hin zum OS, obgleich einige Alteingesessene stolz abwandern werden, weil ihre Helden nicht mehr 100% diese Richtung beackern; diesen Halbidioten kann man dann aber eh nicht helfen. Zu viel Stolz schadet dort, wie oft in der Welt. Nach dieser Einleitung nun aber zu den Liedern selbst.
„Time“ erinnert unmißverständlich an den Anfang von „Zurück in die Zukunft“, nach ein wenig Uhrengeticke merkt der Hörer aber gleich, worum es hier in den knapp 63min gehen soll: Klare, präzise und hämmernde Baßschläge, aufpeitschender Gesang, Energie!
„Watching you“ ist kurz, aber prägnant, gerade die Aufschreie „Sex!“ und „Slut!“ bohren sich nach ein paar Hörproben in den Gehörgang. Etwas später folgt mit „Ich will“ wohl das erste deutsche Stück von IV überhaupt. Der devote melancholische Text ist hierbei eher belustigend. Ist sicher auch nicht so ganz ernst gemeint.
„Void“ gehört zu den Liedern der ruhigeren Fraktion. Was immer noch nicht heißen soll, daß hierbei geschmust werden kann/sollte – nein – eine Restenergie ist immer vorhanden. IONIC VISION haben sich ja nie auf die Fahne geschrieben, Weicheimucke zu fabrizieren, sondern sehen ihre Musik gerne in einer Reihe mit Bands wie POUPPEE FABRIKK, NITZER EBB oder auch FRONT 242. Wer „Acutal“ zu sich nimmt, dem wird alsbald klar, worauf er sich eingelassen hat, entweder, man mag den Stil der beiden Belgier, oder man weist ihn weit von sich. Keine Kompromisse, immer geradeaus. Im weiteren Verlauf der CD fallen mir noch die Perlen „Puppet nation“, ein sehr abwechlsungsreicher Song mit diveren Tempiwechseln und glasklaren Synthesizerteppichen, sowie „L´usine“ auf. Letztgenannter klingt mit seinem französischen Gesang sehr schroff, kantig, ist aber ebenso unwiderstehlich im Rhythmus und wurde aufgrund seiner Eigenart neben o.g. „Watching you“ zu meinem Favoriten.
Vor zwei Jahren schufen IONIC VISION mit „NeuMaschinen“ ein Old School-Werk erster Garde. Nun schaltet man mit „Actual“ teilweise einen Gang zurück, ohne dabei aber seine Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Ein richtiger Schritt. Zudem klingt der neue Langspieler ausgereifter, ist variantenreicher und präziser produziert. Also, wer jemals Bands wie POUPPEE FABRIKK etc. auf der für gut befundenen Seite des Musikregals stehen hatte / hat, möge diese Scheibe antesten!


H-Punkte 5,5 [Skala 1- 6]

DJHorn

 


BLOODHOUND GANG – Uhn tiss Uhn tiss Uhn tiss (MCD/Interscope/Universal) – Info: www.bloodhoundgang.com

Mit „Uhn tiss uhn tiss uhn tiss“ wurde der mit Abstand stärkste Song des Albums „Hefty fine“, sowie der Band überhaupt ausgekoppelt. Der Song geht sofort ins Ohr, hat einen hohen Wiedererkennungswert und vereint sinnlosen Text mit elektronischen Beats – was will man mehr? Konsequenterweise wurde deshalb auch von SCOOTER ein Remix angefertigt, die ja eine ähnliche Herangehensweise an Musik verbindet. Und so schallt der Remix aus der Bramfelder Schmiede wirklich opulent ausgestattet aus den Boxen – hier werden natürlich die stumpfen Shouts von SCOOTER-Frontmann H.P. BAXXTER mit Jimmy`s Gesang gemischt. Seltener gelang eine Remixkooperation so reibungslos – eine perfekte Inszenierung! Ich würde mir ein Album der beiden Bands zusammen wünschen! Und somit vollstrecke ich nun eine für mich ungewöhnliche Tat: ich vergebe 6,0 H-Punkte (WELTPREMIERE!) für diese großartige Maxi!

H-Punkte 6,0 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 

BLOODHOUND GANG – Uhn tiss Uhn tiss Uhn tiss (MCD/Interscope/Universal) – Info: www.bloodhoundgang.com

Jimmy Pop und seine Jungs steht seit langer Zeit schon für eine musikalische Kreuzung vieler Stile, gewürzt mit Klamauk. So weiß man auch hier am Anfang nicht, handelt es sich um einen Techno Song?? Der Anfang klingt tatsächlich von den Strings her wie eine Interpretation aus dem Hause ATB. Mit Einsetzen der Gitarre und des danach folgenden Gesangs, weiß man aber dann doch wo man steht. An der Stelle lässt sich sicher nicht von der Hand weisen, dass viele Stilelemente aus altbekannten Songs wie „The bad touch“ übernommen wurden. Der Song ist sicher unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Vielmehr waren da die außergewöhnlichen Hits wie „Along comes Mary“. Was bleibt und interessiert sind da noch die lustigen Eskapaden, die die Burschen zusammen mit Bam Bargera auf MTV anstellen…

H-Punkte: 3,5 [Skala 1- 6]

Pepe

 


LIMP BIZKIT – Bittersweet home (MCD/Interscope/Universal) - Info: www.limpbizkit.com

Was ist nur los mit LIMP BIZKIT? Diese Frage kommt hier wirklich schnell auf. Nach dem recht gelungenen The Who-Cover „Behind blue eyes“ schieben sie mit „Bittersweet home“ eine Eigeninterpretation des The Verve Hits hinterher. Nur das dort irgendwie der Zündstoff fehlt. Man meint fast, das Sänger Fred Durst im Song dem Sterben nahe ist. Emotionen sind Fehlanzeige und auch die musikalische Untermalung klingt eher als hätte jemand ein Keyboard in eine Kinderhüpfburg geworfen. Tja, für mich distanzieren sich LIMP BIZKIT damit immer mehr von dem, was sie mal waren: Gut. Schade drum, aber angeblich sind ja Schritte „back to the roots“ für die Zukunft geplant. Wir sind gespannt…

H-Punkte: 2,0 [Skala 1- 6]

Pepe

 


BLOODHOUND GANG – Hefty fine (CD/Geffen) – Info: www.bloodhoundgang.com

Zugegebenermaßen war ich nie wirklich ein Freund dieser Band. Vieles war mir zu rockig oder zu tumb. Das neue Werk „Hefty fine“ kann mich jedoch vollstens überzeugen und dies liegt nicht zuletzt an der Art und Weise, die die BLOODHOUND GANG mittlerweile an den Tag legt. So mischt man auf dem Album RAMMSTEIN-ähnliche Riffs, Breakbeats und rapmäßigen Gesang in „Balls out“. Die erste Single „Foxtrot unform Charlie kilo“ wiederum ist ein typisches Stück mit hohem Wiedererkennungswert. Sehr amüsant sind die 3 „Sprech“-Tracks auf diesem Album, die sich u.a. mit WILL SMITH, EMINEM und dem Thema „Durchfall in der Familie“ beschäftigen. Pluspunkt!! Ebenso geistreich der Titel „Farting with a walkman on“ – auf solch eine Idee kommen eventuell noch KNORKATOR oder früher KLAUS KINSKI, wenn er mal wieder zu viel Kaffee getrunken hat. Neben dem letzten Titel „No hard feelings“, welches genial Elektronik und Metal vereint, kann natürlich die zweite Single „Uhn tiss Uhn tiss Uhn tiss“ bei mir punkten. Auch hier mal wieder ein völlig stumpfer Text auf einer elektronischen Basis. Grenzt schon was an Eurodance, was wir hier hören. Nur der effektarme, typische BLOODHOUND GANG-mäßige Gesang ist dann wieder ein „altes“ Markenzeichen, welches bemüht wird. Aber insgesamgt eine tolle Nummer – tagelang geht mir der Refrain nicht aus dem Ohr! Für die Band spricht zudem, dass sie von diesem Titel einen SCOOTER-Remix haben anfertigen lassen, der dann sogar auf Konzerten zusammen mit H.P. BAXXTER vorgetragen wurde. Beide Bands vereint sicherlich die selbstironische, distanzierte Art, dem eigenen Schaffen gegenüber. Fazit: ein unterhaltsames und vor allen Dingen facettenreiches Album mit großartig humoristischen Zügen. Um mit einem Zitat diese Rezi zu schließen: „Ain`t my job to fuck you on your birthday“ („No hard feelings“) – hervorragend!

H-Punkte 5,0 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 


TOMMY LEE – Good times (MCD/Steamhammer/SPV) - Info: www.tommylee.tv


MÖTLEY CRÜE Altrocker, Tattooflächengroßnutzer und Pamela Anderson Stecher TOMMY LEE zeigt mit „Good times“ mal eine ganz andere Seite. Mit diesem Song legt er eine wirklich dem Titel zugeschnittene Nummer ab, die definitive Radioqualitäten und auch einen hohen Wiedererkennungswert mit sich bringt. Ein gelungener Song, der sich wirklich auch im offenen Cabrio im Sommer gut ins sommerliche Bild fügen würde. Damit die Single nicht ganz so dünn daher kommt, schiebt TOMMY LEE mit „Trying to be me“ noch eine Scheibe hinterher, wo dann doch der Gitarrenverzerrer etwas aufgedreht wird. Aber auch hier ist man erstaunt, harmonieren doch alle Parts des Songs wirklich gut miteinander und auch der Rest ist stimmig. Für mich eine Überraschungsplatte.

H-Punkte: 5,5 [Skala 1- 6]

Pepe

 


STERIL – 400 years of electronic music (CD/Artoffact) – Info: http://www.sterilmusic.com

Einen hervorragenden Querschnitt durch die Bandgeschichte der Oldenburger Formation STERIL bietet uns nun das kanadische Label Artoffact Records. Schon das Coverartwork weiß zu überzeugen; sieht man doch die Protagonisten im sterilen Chirurgenoutfit. Ob man sich hier von der „Schwarzwaldklinik“ hat beeinflussen lassen? Kommen wir aber zum Album. Die Auswahl läßt keine Wünsche offen. Bei mir sowieso nicht, denn ich bin ein großer und bekennender Fan des meiner Meinung nach besten STERIL-Albums „Venus trap“, welches seinerzeit leider viel zu unterbewertet blieb. Es stellt immer noch die letzten PRODIGY-Alben in den Schatten und dies meine ich durchaus ernst. Schon viel früher und teilweise konsequenter haben STERIL Breakbeat, Gitarren, Techno und sehr eingängigen Gesang gemischt und dann auf „Venus trap“ ein Album voller Ohrwürmer produziert. Nicht zuletzt die Single „Deep“ ist ein Zeugnis für diese geniale Musikmixtur. Ebenso auf dem „Best of“-Album vertreten „Connected“, „Zap! und „Shame“. Schade, dass man auf „The rain“ verzichtet hat. Hinzu kommen eher electrolastige Tracks der Vorgängerjahre, die jedoch nach wie vor ihren Reiz und Charme haben. Darunter natürlich der Szenehit „Egoist“, das erstklassige „No remission“ (wobei ich mir anstelle des „Deep“ Remixes der SWAMP TERRORISTS eher deren Mix für „No remission“ gewünscht hätte), „Lies“ , „Overgod“ und „Temper“. Ich persönlich hätte ja auch noch auf „Pillowtalk“ zurückgegriffen, aber das hätte wahrscheinlich den Rahmen gesprengt. Schließlich zu erwähnen die Stücke neueren Datums, darunter das schwer groovende „Guess“, „Strange pusher“ oder das poppige „I get closer“ vom letzten Album „Purification“. Insgesamt ein Album, welches man hervorragend auf einer langen Autobahnfahrt anhören und genießen kann, ohne dass man die Titel ständig skippen müsste. Man darf gespannt sein, wie sich diese Band weiterentwickelt. Für Leute, die bislang von STERIL noch nichts vernommen haben sei dieses Album empfohlen.

H-Punkte 5,0 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 


4 LYN – Dirty rokka (MCD/Edel) - Info: www.4lyn.de

"Dirty rokka" klingt in den ersten Sekunden ja noch recht interessant, aber mit Beginn der Strophe fragt man sich spätestens, ob 4 LYN zu viele Stakkato Schnitzel verspeist haben. Jedenfalls tritt eben besagte Strophe als totale Kontroverse zum Refrain auf. Mag sein, dass es so auch gewollt war. Mir gefällt das persönlich jedoch nicht wirklich. Der Refrain hingegen verleitet zum „abgehen“, ist also durchaus tauglich, an geeigneten Tagen in einer Discotheque gespielt zu werden. Am besten ihr macht euch als Fan selber ein Bild, alle anderen können getrost die nächste CD einlegen. Wer mit dem ersten Track noch nicht genug hat, hat mit dem zweiten die Möglichkeit – nach guter Auffassungsgabe – den Text in Karaokeform zum besten zu geben. Mit „One Love“ wird einem das nächste, für 4 LYN recht elektronisch klingende Brett um die Ohren geworfen, wo hingegen man versucht mit „Eobane“, einem balladenartigen Stück das ganze Wer zu besiegeln. Gut so.

H-Punkte: 2,5 [Skala 1- 6]

Pepe

 

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