Kritiken

DEPECHE MODE – Precious (CDS/MCD/Mute) – Info: www.depechemode.com

Wer hätte das gedacht? Nach längerer Abstinenz kommt von DEPECHE MODE als erstes Lebenszeichen eine richtige Hammer-Single raus! Nicht so ein Driß wie der seinerzeit erste Vorbote der „Exciter“ „Dream on“, nein, mit „Precious“ kommt zwar ein ebenfalls recht bedächtiger Track auf den Markt, der es aber faustdick-gefühlvoll hinter den Ohren hat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Man darf nur einen Fehler nicht machen: Die MCD als erstes anhören! Denn dort ist die Singleversion nicht mal enthalten, zudem sind nahezu alle sechs Versionen auf dieser Silberscheibe für den akustischen Sondermülleimer. Alles bleibt wie es war, zumindest dabei. Man muß schon arg lange zurück denken, möchte man den letzten wirklich guten RMX datieren. OK, der damalige „Labor of love edit“ von „I feel loved“ war gangbar, aber dies auch u.a. aufgrund der Einmischung älterer Soundinhalte. Gefühlt gab es die letzten bemerkenswerten Abmischungen in der „Violator“-Zeit :(. Aber man möchte lamentieren: So lange das kommende Album „Playing the angel“ [welches wir Euch u.a. am VÖ-Tag 14.10. bei „EBM back to NEP“ im Nightlife zu Aachen sowie im Rahmen einer kleinen ReleaseParty am darauf folgenden Tag, 15.10., auf der [DARK FUSION] im Spuugh zu Vaals vorstellen möchten!] die Qualität von „Precious“ ungefähr erreicht, könnt Ihr weiterhin derart hohlbratzige Remixarbeiten anbieten, stammen sie ja nicht mal von der Euch , der Band, selbst [das wäre ja noch schöner...].
Aber zurück zur Perle der elektronischen Programmierkunst, Ihr habt richtig gelesen [und kennt das Stück ja eh schon!!!?], ELEKTRONISCHEN, welch entzückender Fakt, daß bis auf ein paar Gitarren durchaus diese Machart überwiegt. Nicht zu vergessen: Ein Dave Gahan und seine Stimmbänder in Höchstform. Anfangs erinnerte mich „Precious“ am ehesten an die neue Single zur damaligen Singles-Tour 1998 „Only when I lose myself“, obwohl erst genanntes klar kraftvoller den Weg entlang kommt. Kein steiniger Weg, wie schon jetzt die Resonanz beweist, wobei mich die neue Begeisterungswelle DM betreffend doch überrascht[e], in dieser Intensität und durchweg positiv, hm, man gerät ins Schwärmen und ist in der Tat an „Enjoy the silence“ im schönen Jahre 1989 erinnert...hoffe, aber bin eigentlich davon überzeugt, daß „Playing the angel“, welches mir leider noch nicht vorliegt, den Siegeszug der „Violator“ annähernd erreicht, wenn „Violator“ auch sicher im Ganzen gesehen unerreicht bleiben wird...

Nun noch ein paar detaillierte Worte zur MCD: Also, wo möchte die Band damit Fuß fassen? Im Ambiente / House / Easy listening / was weiß ich-Sektor? Selbst, wenn man die Scheibe mit einem Gramm Rasen zusammen serviert, ich bewundere den, der die sechs Abarten am Stück erträgt, zu sehr piepst es unmotiviert rechts und links aus den Boxen. Wenn Ihr denn unbedingt ´reinhören wollt, wählt den „Full vocal mix“ oder zur Not noch den „Motor remix“, aber im Gros nenne ich das [mal wieder] klar am typischen DM-Fan vorbei gemischt, auch am untypischen....

Aber so möchte ich diese Rezi dann doch nicht abschließen, das wäre unwürdig. Man, was hätte man aus „Precious“ auch in Maxi-Hinsicht machen können, denke ich allein an den genialen elektronischen Beat, der in der instrumentalen Stelle fast explodiert, dem Tänzer / Hörer ins Gesicht zu springen scheint, keine Box der Welt kann diese Stelle laut genug wiedergeben...aber gut. Zeigen wir ein wenig Dankbarkeit ob dieser genialen Erstsingle und harren der Dinge, die da kommen mögen....ich freue mich sehr drauf! Und Ihr?

Einzelwertung:

Single:
H-Punkte 5,5 [Skala 1- 6]

Maxi:
H-Punkte 1,5 [Skala 1- 6]

DJHorn

 


RAMMSTEIN – Benzin (CDS/Universal/Motor) – Info: www.rammstein.de

Schon wieder eine neue Single *UNGLÄUBIGES GESICHT*? Dies war mein erster Gedanke, liegt das letzte Album „Reise Reise“ doch nicht lange zurück. Weil, „Benzin“ definiert sich eindeutig als Vorabsingle zum kommenden Album "Rosenrot"! Oder ist diese Veröffentlichung vom durchaus mitdenkenden Management der Verkaufsriesen pure Berechnung ob des plakativen Titels, der bestens in die gerade aktuelle Diskussion der Rohölpreise paßt? All dies kann ich von meiner Seite aus nur vermuten. Aber kommen wir zum Erwiesenen: „Benzin“ ist vergleichbar populistisch wie der Noch-Bundeskanzler Gerd S. in seinem zurückliegenden Wahlkampf, ja, der Lacher Tills´ nach dem Kehrreim hätte gar dem sich lächerlich machenden Gerd in der Berliner Runde gut zu Gesicht gestanden. Aber lassen wir diesen Bezug nun ruhen. „Benzin“ beginnt standardgitarrig wie ein Rock/Metal-Song, gewinnt erst an Charme, wenn Till Lindemann seine absolut charakteristische Stimme einbringt. Ein paar Fachwörter um sich schmeißend, behandelt er das Titelthema sehr gesellschaftskonform, sprich: Es wird sicher ankommen. Es gibt sogar den Rat, jemanden oder vielmehr etwas mit selbigem Kraftstoff zu übergießen, und durch Entzünden los zu werden, ja, das paßt alles zur Single „Mein Teil“, nur diesmal steht man Pate beim aktuellen Prozeß der verbrannten Ex-Ehefrau, ok ok, nat. sagt man das nicht explizit, sonst würde man sich auch sicher auf dem Index wiederfinden. Alles wie gehabt: Das Spiel mit dem Feuer, dem Anstößigen, kurz RAMMSTEIN. Wobei der geschmacklos abwertende Lacher nach dem „Willst Du es nie wieder sehn´, laß es schiwmmen, in Benzin!“ ist im Grunde das Geilste an diesem Song. Man muß es RAMMSTEIN lassen, sie schaffen es immer wieder in unnachahmlicher Weise, Ihre Provokationen zu setzen! Hut ab!

H-Punkte 4,0 [Skala 1- 6]

DJHorn

 


KMFDM – Hau ruck (CD/Metropolis) – Info: www.kmfdm.net

Etwas mehr Elektronik, weniger Rockattitüde und Rauhheit bescheren uns KMFDM mit
„ Hau ruck“. Der Vorgänger „WWIII“ zeichnete sich ja eben durch diese oben beschriebenen Kennzeichen aus. Das Album und ganz besonders das Titelstück erinnert doch stark an die früheren RAMMSTEIN. Und das findet natürlich positiven Anklang; freut man sich doch über Plakativität, Elektronik und angenehme Keyboardsounds. Ebenso nett der stakkatohafte Gesang von Konietzko, sowie die Einbindung weiblicher Vocals in der Tradition von KMFDM (ein Stil, der inzwischen von Bands wie PZYCHO BITCH erfolgreich kopiert wird). Hervorzuheben natürlich erneut die kritische Auseinandersetzung mit den USA, sowie die Selbstironie, mit der KMFDM seit Jahren erfolgreich arbeiten. Genau dies beschert der Band ein unverkennbares Profil und deswegen gewöhnt man sich hier auch gerne mal an den harten Gitarrensound – im Gegensatz zu Schergen wie APOPTYGMA BERZERK, die sich diesem Sound aus anderen Gründen widmen. Alles in allem ein sehr rundes Werk mit viel Drive und Unterhaltungswert. Das Album kann jedoch nicht an die Klassiker „Money“ oder „Nihil“ heranreichen.

H-Punkte 4,0 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 


APOPTYGMA BERZERK – You and me against the world (CD/Gun) – Info: www.apoptygmaberzerk.de

APB wechselten zu Gun Records, was kam heraus? Eine nicht ganz so schlimme Scheibe wie beim OOMPH!-Wechsel zu selbigem Label (Wir erinnern uns alle sicher noch an die Kommerzpflicht...!!?), aber die Unterschiede sind marginal. Und natürlich beteuert man seitens der Band, oder sollte ich sagen seitens Stephan Groth, die Tendenz zu gitarrenlastigem Sound wäre ja eine Wurzel von APB, natürlich. Nur verschweigt er damit, daß eine ganz andere Art der Gitarren schon früher beinhaltet war, zudem, man höre sich den Gesang Modell „Kiddyrock / Nu Metal“ an, vor allem dies möchte ich dem nun nicht mehr lediglich auf der Bühne Posenden ankreiden. Es geht oft in der Strophe noch, aber spätestens im Kehrreim nähert man sich aus Sicherheitsgründen dem Kotzeimer. Wenn man diesen neuen Weg nicht als Kommerz beschreibt, welchen dann? Und wieder hab ich ein persönliches Problem damit, ist APB doch vor allem mit dem nun drittletzten Album „Welcome to earth“ nah an mein Musik-Herz gewandert. Ein, zwei Stücke verringern den Schaden ein klein wenig, zu nennen wäre hier „You keep me from breaking apart“, einer „Kathy´s song“ nahen Nummer im C-64-Retro-Gewand, zudem „Into the unknown“, einem kraftvollen Rock-Pop-Song, den allerdings im Refrain o.g. Anwandlung befällt [das mit dem Mageninhaltalarm...]. Aber dies „alles“ ändert im Grunde nichts an der Kernaussage – diese CD ist mal wieder ein jämmerlicher, aber sicher finanziell erfolgreicher Versuch, den Geldverdien-Willen mittels einer imaginären und vorgeschützen Weiterentwicklungsaussage zu legitimieren. Wer da mitmachen will, KAUFEN! Stephan Groth hat schon viel in der elektronische Szene bewegt, warum ihm nicht einen warmen Geldsegen bescheren? Man kann sich dieses Album sicher schönhören, schöntrinken, schönreden; selbst ich erlag schon fast der Ohrwurm-Kommerz-Falle, summte ich mir zu meinem persönlichen Schock letztens zum Aufstehen die scheiß Single „In this together“ vor. Da mußte ich mir natürlich erst mal mit der Klobürste den Mund auswaschen. Und was soll das X-te Cover des KIM WILDE-Tracks „Cambodia“? Einfach nur Tonne.
Fazit: Selbst die Tracks, die ein wenig gefallen, sind nur Mittelmaß, der Rest ist vor allem gesanglich nur mit viel Ignoranz und gewissen Sicherheitsvorkehrungen zu ertragen. Vom neuen optischen Outfits des Masterminds möchte ich erst gar nicht anfangen....*SCHÜTTEL*.


H-Punkte 2,5 [Skala 1- 6]

DJHorn


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