Kritiken

MIND IN A BOX – Dreamweb (CD/Dependent) – Info: www.mindinabox.com

Erneut überraschen MIND IN A BOX mit einem wirklich hervorragenden Album. War schon „Lost alone“ ein Volltreffer, so kann nun „Dreamweb“ direkt daran anknüpfen und sogar die Qualitäten noch verdichten. MIND IN A BOX schaffen es erneut, nostalgische Gefühle aufleben zu lassen mit einer Mixtur aus Pop, Techno, analogen Sequencern und treibenden Rhythmen. Und unverkennbar wiederum die sehr effektreiche und typische gesangliche Untermalung der Songs. Es fehlen einem fast die Worte, die Musik von MIND IN A BOX korrekt zu beschreiben, denn deren Stil ist mittlerweile unverkennbar geworden. Besonders gefallen mir die Single „Certainty“, „Sun and storm“ und das sehr treibende „Machine run“. Ein Highlight sicher auch „Out of time“ – ein Song, der alle Qualitäten der Band in sich vereinigt. Rundum ein kurzweiliges und intensives Vergnügen, sich „Dreamweb“ anzuhören. Eine Scheibe, die von Anfang bis Ende vollstens überzeugt. Ein Anwärter für das „Album des Jahres 2005“.

H-Punkte 5,5 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 



AYRIA – My revenge on the world (EP/Alfa Matrix) – Info: www.ayria.com

10 neue Tracks von AYRIA – eigentlich ein Grund zu Freude! Leider gibt es jedoch nur 2 neue Titel und ganze 8 (!) Remixe, u.a. von STERIL und FRACTURED. Insofern kann man die (neue?) musikalische Ausrichtung des Projektes um Jennifer Parkin sicher noch nicht abschließend beurteilen. Fest steht, dass man sich nunmehr auf eher minimal-elektronische Sequenzen und Beats beschränkt. Weder Futurepop, noch Trance oder Technoanleihen sind festzustellen. Der neue Sound ist rauh und monoton. Hinzu kommt der stakkatohafte Gesang von Jennifer, so dass eine homogene Mischung entsteht („My revenge on the world“). Die Scheibe erinnert mich nunmehr ein wenig an PZYCHO BITCH – vielleicht Absicht? Unter den Mixen gefallen mir besonders der „Cycletribe Remix“ von „Cutting“ sowie der „Steril Mix“ von „Infiltrating my way through the system“. Ich finde man kann hier nicht von einem Album sprechen, eher eine Maxi CD mit „Mix-Charakter“.

H-Punkte 4,0 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 


NICOLE – Alles fliesst (CD/Sony BMG) – Info: www.nicole-4-u.de

Was ist denn mit der einstigen Schlagernudel und Grand Prix-Vorzeigedame NICOLE los?
Kürzlich erlebte ich ein sehr interessantes Interview mit ihr zu ihrer neuen Scheibe „Alles fliesst“ und in der Tat ist dieses Album eine positive Überraschung für alle, die auf leichte Popmusik stehen. Über Jahre hinweg gab es unzählige Veröffentlichungen aus dem Hause Siegel, die allesamt vorschnell und stillos auf den Markt geworfen wurden. Trotzdem konnte die kleine Sängerin mit der glasklaren Stimme immer wieder kleine „Schlagererfolge“ erzielen. Nun jedoch hat sie es geschafft, ein überzeugendes Konzeptalbum vorzulegen. Zudem kümmert sich ein modernes Produzententeam um ihre Songs und dieser Wechsel hat ihr zweifelsohne gut getan. Bereits die gleichnamige Single und der Opener des Albums „Alles fliesst“ ist ohne Frage der Höhepunkt dieses Albums. Eine moderne, sehr ausgeklügelte Produktion, die sich sogar in elektronische Gefilde hervorwagt besticht zusammen mit einem fast spirituellen Text, der weitab von jeglichem Schlagereinerlei stattfindet:

„Nur wer gegen den Strom schwimmt, wird die Quelle jemals finden und die Klippen der Vernunft spielend überwinden. Der Ursprung jeder Theorie besagt: alles fliesst. Ein Sprung ins kalte Wasser, die Schwerkraft ignorier`n, um relativ gelassen, den Boden zu verlier`n. Verdeutlicht: wir sind nur Treibholz auf dem Meer. Alles fliesst, bís sich der Kreislauf wieder schliesst.“

Die pompöse Instrumentierung erinnert zum Teil sogar an MELOTRON`s „Der Anfang“ oder an VANGELIS.
Leider gibt es keine zweite Nummer, die an „Alles fliesst“ heranreichen kann. Zum Teil gibt es leider auch immer noch Ausflüge in den zu seichten Schlagerbereich. Dennoch folgen noch sehr interessante Titel wie „Mehr davon“, die sehr eingängig und bedächtig daherkommen. Ebenso empfehlenswert sicher „Ich glaube“, welches stark an ENIGMA erinnert. Diese CD beinhaltet sicher auch „Licht und Schatten“, jedoch eindeutig mehr Licht und vor allen Dingen viele neue Akzente im ohnehin limitierten Klangkosmos einer Schlager-Ikone. Und genau deswegen sollte man dieses Album zu würdigen wissen. Es zeigt absolut in die richtige Richtung, auch wenn ich vermute, dass die Scheibe in kommerzieller Hinsicht ein Flop werden wird. Aber dies bleibt abzuwarten. Daumen hoch und „Ein bißchen Frieden“ für NICOLE!

H-Punkte 4,0 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 


NINE INCH NAILS – Only (MCD/Interscope) – Info: www.nineinchnails.de

Die zweite Single des Albums "With teeth" ist eher ein Lied der alten Schule. "Only" wirkt kaputter, elektronischer und eindringlicher als die Erstauskopplung "The hand that feeds". Trent singt bedrückend ruhig von einer etwas desillusionierten Welt, seiner Welt? Wenn man ihn wie zuletzt live sah, wo er agil-brachial Bühne und Publikum sympathisch in seinen Bann zog, glaubt man das eigentlich nicht ganz. Nimmt man seine Texte allerdings für bare Münze, müssen sich regelmäßig Abgründe in seinem Seelenleben auftun. Ein Grund, warum viele Fans von seiner Band NIN sind, eine Art Wiederfinden in seinen kranken Fantasien. Wobei dieser Song, auch etwas oberflächlicher betrachtet, ein Ohrwurm ist; allein der Refrain geht schnell in´s Blut und lädt zum Mitsingen ein. Untermalt von den typischen schrägen Gitarren / SynthSounds entstand ein NINE INCH NAILS Song, der sicher lange für Begeisterung sorgen wird.
Als Bonus enthält diese MCD einen über 9min langen Remix der ersten MCD "The hand that feeds", die allerdings kaum mehr wiederkannt wird, sowie einen sehr geilen Livemitschnitt des "With Teeth"-Songs "Love is not enough".

H-Punkte 5,0 [Skala 1- 6]

DJHorn

 


NOISE UNIT – Voyeur (CD/Metropolis) – Info: www.mindphaser.com

Sehr komplexe, dichte und sphärische Musik bescheren uns Bill Leeb und Rhys Fulber mit ihrem neuen NOISE UNIT-Album „Voyeur“. War der Vorgänger „Drill“ noch wesentlich härter und durchaus von FRONT LINE ASSEMBLY beeinflusst, so ist die neue Scheibe doch eine Kehrtwende hin zu DELERIUM-artigen Sounds und Flächen. Die Frage ist natürlich nun, worin sich DELERIUM und NOISE UNIT noch unterscheiden. Viele Merkmale kann ich nicht feststellen – die Beats sind teilweise etwas vertrackter, härter (rauher), die Sounds experimenteller und die weiblichen Vocals fehlen - der Ansatz ist jedoch unverkennbar. ENIGMA meets CHEMICAL BROTHERS wäre vielleicht noch eine weitere Beschreibung dieser Scheibe und somit ist auch klar, dass dieses Album durchaus hervorragende Qualitäten besitzt. Bereits der Opener „llicit Dreams“ beschert ein wahres „Gänsehaut“-Feeling. Mit „Liberation“ gibt es dann den „harten“ Ausreißer dieser Scheibe – ein auf Bigbeat getrimmtes Stück mit sehr charakteristischen FLA-Vocals. Könnte auch sehr gut in „dunklen“ Clubs funktionieren. Insgesamt gesehen ist „Voyeur“ ein sehr vielschichtiges und gleichsam homogenes Werk – ein Erlebnis für den Gehörgang und eine Wohltat im Wust der Veröffentlichungen.

H-Punkte 5,0 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 


FUNKER VOGT – Fallen hero (MCD/Synthetic/SPV) – Info: www.funkervogt.de

Ups! Mal keine 08/15 Uptempo-Nummer von FUNKER VOGT. Stattdessen ein deutlich gedrosseltes Tempo. Aber was ist nun besser daran? Antwort: GAR NICHTS. Aufbau und Struktur ähnelt quasi 90% aller FUNKER VOGT Songs. Auch die Synthis kennt man zur Genüge und von Gesang kann man natürlich auch nicht wirklich sprechen (besonders erschreckend das Pseudo-Englisch von Sänger Jens Kästel). Kein Mix kann auf dieser Maxi-CD das Ruder wirklich `rumreißen. Langweilig und stumpf kommt diese Scheibe daher. Und da versucht man immer noch offen und ohne Scheuklappen, sich diesen „Kram“ zu Gemüte zu führen. Ein völliger Griff ins olivgrüne WC.

H-Punkte 0,5 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 


MELOTRON – Clichè (CD/Synthetic/SPV) – Info: http://www.melotron.de

Ein Schritt vor und zwei zurück – so könnte man das neue Album von MELOTRON beschreiben. Ich konnte ja anfangs nie etwas mit der seichten Mischung aus Synthipop und schlagerhaftem Gesang anfangen. Erst ihr letztes Album „Sternenstaub“ und davor die Single „Folge mir ins Licht“ mit TECHNOIR-Sängerin Julia Beyer waren deutliche positive Glanzlichter. Nun also „Clichè“ – ein ziemlich blutleeres Werk ohne Ecken, ohne nennenswerte Kanten. Die Songs wurden eher sparsam instrumentiert und auf die markanten oder gar orchestralen Elemente („Der Anfang“) wurde verzichtet. Insofern wirkt „Clichè“ schon sehr kommerziell-poppig. Kein Wunder, denn als Support von MARIANNE ROSENBERG dürfte der Durchbruch auf kommerzieller Ebene bald bevorstehen. Bereits die erstaunlich langweilige Single „Wenn wir wollten“ war ein fader Vorgeschmack - das Album kann das Ruder nun auch nicht wirklich `rumreißen. „Menschenfresser“ als Coverversion wurde auch schon besser gecovert (ANJAKA) und „Frei wie das Meer“ könnte auch von ROLAND KAISER stammen. Jedoch war bei ihm der Wiedererkennungswert deutlich höher. Einziges Highlight auf „Clichè“ ist in meinen Augen „Propaganda“, denn dort wird der Sound härter, rauher und das seichte Konzept wird kurzzeitig aufgebrochen. Warum nicht mehr davon? So kann ich mit dieser Scheibe wirklich nichts anfangen!

H-Punkte 1,5 [Skala 1- 6]

Le-Rav

 

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